Protokollierte Aussagen von 14 Exulanten,
die aus den Dörfern der Pfarre Fleyh, Herrschaftsbereich Dux, Böhmen,
nach Sachsen entwichen sind und am 25. u. 26. Mai anno 1668
in Frauenstein / Sachsen einvernommen wurden.

Die Originale der Protokolle befinden sich im Sächs. Staatsarchiv Dresden.

Transkribiert von Günter Kallinovsky, A 1210 Wien, Stephensongasse 1 / 4 / 12
im Frühjahr 2002.


1

Daniel Butz, sich izo zu Hermbßdorff auffhaltend, berichtet, er habe zu Willerßdorff unter die Herrschafft Dux gehörig, eine Mühle gehabt, so ihm 350 Thlr. ohne seine Melioration gecostet, unnd weiln er ein gebohrener Evangelischer wehre, vermeinet, zudem ihnen die Krieges Jahr über noch immer das Exercitium Religionis frey gelassen worden, sein Leben auch darauff zu beschliessen.
Alleine vorm Jahr wehre leider Gott erbarme es zur Reformation ein Anfang gemachet worden, daß sie vonn ihrer wahren Evangelischen Religion abfallen, unnd zur Catholischen Religion treten sollen. Nachdem sie aber in ihrem Christenthumb gar eines anderen berichtet, unnd solches ohne Verlezung ihres Gewissens unnd euserster Seelengefahr nicht thun können, zudem es hieße, man soll Gott mehr gehorchen als denen Menschen, so wehren ihnen viel unnd er auch mit ausgewichen. Also, daß er Butze herüber unters Ambt Frauenstein ins Dorff Holzhau gezogen.
Es hatte aber der Hauptmann zu Dux unterschiedlich, unnd zwar anfangs des Richters Sohn mit einem Schreiben, unnd hernacher den Anweiser in öbern Lohnhause zu ihm geschickt unnd ihn vermahnen laßen, er solte doch nur wieder heimb kommen, unnd das seinige wartten. Es solte ihm nichts gethan, sondern bey seiner Religion gelassen werden, unnd weiln er zumahl eine Abschrifft vonn des Herrn Buchhalters zu Praga als Regentens der Herrschafft Dux ertheilten schrifftlichen Versicherung ihm zugesendet, hatte er sich entlich bereden lassen, daß er wieder eingezogen wehre.
Nachdem aber ihre Catholische Geistliche die 2 Capuciner verwichenen Winter unnd Frühling sich in ihren Predigten so gar eyfferig erwiesen, unnd daß sie bey ihnen communiciren solten, die Zuhörer anvermahnet, da wehren die sämbtlichen Richter vonn denen Gebürgischen Dörffern ohngefehr 8 oder 10 Tage vor Ostern zusammen gegangen, hatten ihnen an den Herrn Graffen eine Supplication, daß er doch wie sein Herr Vater sie bey der Evangelischen Religion, worauff sie getaufft wurden, lassen möchte, machen lassen, unnd solche I. Gn. dem Herrn Graffen zu Dux selbst übergeben.
Nachdem sie nun damit vor den Herrn Graffen kommen, hatte derselbe solch Supplication zwar gelesen, die Richter aber alsbald zusammen in ein Zimmer genommen, unnd nicht eher weglassen wollen, sie hetten ihm denn angelobet, daß sie die Catholische Religion annehmen unnd communiciren wollten, dessen sich aber die Richter geweigert, unnd entlich als nichts zu erhalten gewesen, nur gebethen, daß, weiln es eine GewissensSache wehre unnd ihrer Seelen Seeligkeit antraff, man doch nicht mit der Schärff wider sie verfahren, sondern ihnen Bedenkzeit geben wolte. Worauff ihnen der Herr Graff versprochen, daß sie bis Pfingsten Frist unnd Bedenkzeit haben solten.
Es wehre aber solch Versprechen nicht gehalten, sondern I. Gn. der Herr Graff strax folgendes Tages zu denen Geistlichen den 2 Capucinern kommen. Da hatten alle Evangelischen Duxauer Unterthanen zu Ihm kommen müßen, unnd als sie nun vor Ihm erschienen, hatt er sie mit hartten Worten dahin gebracht, daß die Richter und Ältesten sambt allen Einwohnern, Ihm den Handschlagk geben müssen, daß sie in 14 Tagen communiciren wolten.
Sobalden nun dieser Handschlagk geschehen, so wehren strax die Dörffer mit bewehrten Bürgern vonn Dux unnd mit seinen Schüzen beleget worden, die tags unnd nachts hin unnd her geritten unnd gegangen, daß niemand ausweichen können, unnd wehre der Hauptmann vonn Dux, wie auch der Burggraff von Oberleutmanßdorff, sowohl Oberwaldbereiter selbsten 14 Tage uff Dörffern mit gelegen.
Als nun der denen Willerßdorffern, Langenwiesener unnd Fleyern zur Beichte bestimmte Tagk, so Sonnabendt nach Ostern gewesen, herbeykommen, unnd sich die Leuth auff des Richters Geheiß nicht gutwillig einfinden wollen, wehre der Hauptmann, so zu Georgenthal gelegen, nach Willerßdorf geritten kommen, unnd hatte die Leuthe durch seinen Reitknecht selbsten zusammenfordern lassen, unnd da er sie beysammen gehabt, hatt derselbe unnd sein Reitknecht sie nach der Fleyer Kirche zu getrieben, da dann er Buze auch hatt mitgehen müssen.
Sonntags früh hernacher hatten sie communiciret. Folgents über acht Tage hetten auch die Weiber daran gemust, unnd zwar wehren sie eben an einem Sonnabendt wie 8 Tage vorher die Männer durch den Hauptmann unnd seinen Reitknecht mit Gewalt nach Fley in die Kirche zur Beichte getrieben worden, unnd daß sie Sonntags hernach communiciret, unnd ob zwar die Weiber, wie sie zur Beichte getrieben, sehr lamentiret und geflehet, so hatt doch nichts geholfen, wiewohl er Buze damals nicht zu hause gewesen, doch aber es erzehlen hören.
Weiln nun, nachdem beyder die Männer unnd Weiber also zur Communion gezwungen gewesen, der Hauptmann, Schüzen unnd Duxauer Bürger wieder hierauff vonn denen Dörffer sich wegbegeben, unnd er Buze nebenst seinem Weibe befunden, daß sie bey der Catholischen Religion nicht seelig werden könnten, hatten sie folgendes Dienstags darauff Hauß, Hoff und alles verlassen, unnd sich herüber in das Churf. Territorium nach Hermbßdorff begeben, in Meinung, weiln bey diesem hochlöbl. Churfürstenthumb die auswärttigen beträngeten unnd vertriebenen Evangelischen Leuthe noch immer wehren geduldet unnd für Gewalt geschüzet worden. Er dergleichen sich auch zu getrösten und zu erfreuen haben würde, denn er sey keiner anderen Ursach halber als der Religion wegen ausgewichen, hette sonsten gerne bleiben, unnd seiner Herrschafft die Dienste unnd Gaben verrichten wollen, wenn er nur bey seiner Gewissensfreyheit gelassen worden wehre.
Einigen Lohßbrieff aber könte er nicht vorlegen, würde auch keiner ertheilet, wenn sie gleich alles im Stiche ließen, sondern müsten heimblich davonn gehen, unnd schmerzte ihnen nicht wenig, daß er seine Mühle so er pro 350 Thr. erkaufft unnd bezahlt, auch über 100 Thlr. neingebauet hatte, mit dem Rücken ansehen müste.



2

Frantz Pantzner izo zu Seyda sich auffhaltend
berichtet, er sey der Geburth ein Duxauer Unterthan, sey zu Langenwiese erzogen, unnd habe anfangs alda ein Bauerguth gehabt, vorm Jahr aber sey er uff Mazdorff gezogen, unnd habe alda ein ander Guth angenommen, hette auch gerne darauff bleiben, unnd seinem Gnädigen Graffen als ein Unterthaner die schuldigen Fröhne unnd anderes verrichten wollen, wenn man ihn nur bey der wahren Evangelischen Religion, worauff er getaufft unnd darinnen erzogen wehre, gelassen hette.
Denn als vorm Jahr erstmals Unterschiedene der Reformation halber ausgewichen, wehre er auch in willens gewesen, mit zu entweichen, hette auch dazumals gar wohl wegkommen können. Alleine nachdem ihre Obrigkeit der Duxauer Hauptmann ihnen und anderen seinen Nachtbarn so gar gut Wortt gegeben, daß sie bleiben unnd nicht ausziehen solten, auch sich derbey sehr hoch vermeßen unnd verschworen, daß keiner nicht gezwungen, sondern ein ieder bey seiner Evangelischen Religion, wie bißhero, gelassen werden solte, so habe er sich bereden lassen, daß er geblieben wehre.
Als aber verwichen 8 Tage vor Ostern der Herr Graff zur Fley gewesen, unnd auff der Pfarre alda alle seine Gebürgische Evangelische Unterthanen vor sich gehabt, daß sie Ihm Catholisch zu werden willigen müssen, so wehre er dazumahl nicht zu hause, sondern als ein Fuhrmann uff der Nassau gewesen, unnd hette etwas Getreydicht geholet. Sobalden er aber folgendes Tages als Sonnabendts wehre heimb kommen, so hatt der Duxauer Hauptmann ihn unnd andere, so wegen Abwesenheit dem Graffen nicht den Handschlagk gegeben, zu sich nach Fley auff die Pfarre kommen lassen, unnd Ihn auch dahin gezwungen, daß er, Catholisch zu werden, den Handschlagk vonn sich geben müssen. Hierauff nachdem sie fast alle den Handschlagk gegeben, so wehre der Oberwaldbereiter vonn Riesenberg unnd der Duxauer Schüze beyde zu Roß bey Ihnen fast tagk unnd nacht ab- unnd zugeritten, daß niemand entweichen noch ausreißen können. Hernach zu Ostern wehre der Burggraff zu Oberleitmansdorff mit seinem Sohn, so beyde zu Roß gewesen, zu ihm nach Mazdorff geleget worden, hetten sich beyde bey Ihnen Panznern eingeleget, unnd tagk unnd nacht einer umb den anderen das Dorff nauff unnd nunter geritten, daß niemand entweichen möge, und also er auch bleiben müssen. Der Oberwaldbereiter und Schüze aber, da der Burggraff zu Ihnen kommen, hatten sich vonn dar wegbegeben, unnd zu Willerßdorff einlogiret, unnd daselbst die Wache, biß der zur Beichte bestimmte Tagk herbey kommen, gehalten, da dann Sonntags nach Ostern frühe der Burggraff vonn Hause zu Hause geritten, unnd nebenst 2 Musquetieren, so Bürger vonn Dux gewesen, die Wirthe unnd Haußgenossen, was Männer gewesen, mit Gewalt zusammen getrieben. Da er sie nun bey Hauffe gehabt, so wehre der Burggraff vorher geritten, sie die Unterthanen hetten folgen müssen, unnd hinter Ihnen drein wehren die zwey Musquetierer mit brennenden Lunten gegangen, unnd hetten sie also nach Fley zur Kirchen zugeführet, daß sie alda hetten beichten unnd communiciren müssen.
Er Panzner hatte einen Haußgenossen gehabt, der krank gewesen, unnd damals nicht mit fortgebracht werden können. Da hatte der Burggraff vonn ihm begehret, er solte für denselben Bürge werden, daß er nicht entlauffen, sondern sobalden er wieder gesund würde, in 8 Tagen drauff auch communiciren wolte.
Als aber solches er Panzner nicht thun, unnd für ihn Bürge werden wolle, so hatte folgendes Montags der Duxauer Hauptmann vonn der Langenwiesen einen Schlitten nach diesen kranken Mann geschickt, daß er auch zur Kirchen geführet worden, unnd absonderlich beichten unnd communiciren müßen.
Wie nun einem Sonntagk das Mannesvolck gebeichtet gehabt, so hatte folgenden Sonntagk also 14 Tage nach Ostern das Weibervolck auch daran gemust, unnd wehren sie eben also in den Häusern durch den Burgkgraffen und 2 Mußquetieren zusammengeführet unnd nach der Fleyer Kirche getrieben worden, daß gar niemandes verschont blieben.
Der Burggraff wehre vorher geritten, unnd die 2 Mußquetierer mit Mußqueten unnd brennenden Lunten hinten nach gegangen, also daß das Weibervolck, gleich wie dem Sonntagk vorher die Männer zu der mitten gewesen.
Nun wehre er Panzner und sein Weib zwar auch also mit derbey gewesen, daß sie bey denen Catholischen Priestern communiciret. Allein sie wehren, wie izo gedacht, dazu gezwungen worden. Aber was sie hierauff vor eine Gewißens-Angst bekommen, wehre Gott im Himmel bewust, denn Ihnen gewesen, also wenn er nirgents bleiben können, biß folgende Mittwoch wie Sonntags vorhero sein Weib communiciret gehabt, sie sich beyde also er unnd das Weib davonn gemacht, ihr Hauß unnd Hoff in Stich gelassen unnd sich herüber unter das Ambt Frauenstein nach Sayda gewendet, unnd nun in die 7 Wochen alda gewesen.
Wehre auch der Meinung, daß er sich künfftig gerne unter dem Ambt seßhafftig machen unnd ankauffen wolte, wenn ihm etwa eine Gelegenheit vorstieße, weiln denn er solchermassen gar nicht der Dienste wegen oder anderer Ursachen halber, sondern einig und alleine der Religion wegen, unnd daß man sie nicht ferner bey der Gewißensfreyheit, wie bißhero, gelassen, sondern zu der Papistischen Religion gezwungen, entwichen, zudem er sonst zu Mazdorff gar gut Nahrung unnd Gelegenheit gehabt, daß er dergleichen schwehrlich wieder bekommen würde.
Also bittet er, man wolle ihn doch unterm Ambt dulden, unnd als einen Exulanten in Schuz nehmen, denn einen Abzugk oder Lohßbrieff zu schaffen würde ihm unnd keinem möglich sein.


3

George Göhler ( Köhler ? ) izo ein hiesiger verpflichteter Ambts Unterthaner zu Muldau berichtet, er sey der Geburth vonn Georgensthal, vorm Jahr aber, da man sie zur Catholischen Religion zwingen wollen, ausgewichen unnd sich herüber uff das Churfürstl. gewendet, auch alsbalden unterm Ambt Frauenstein zu Muldau ein Guth angekaufft. Weiln aber ihm solches Guth vonn mir dem Ambtschößer nicht verliehen werden wollen, habe er diesfals an I. Churf. Durchlt. zu Sachsen, unsern gnädigsten Herrn, unterthänigst suppliciret unnd eigenhändigen gndst Befehlich erhoben, daß ich der Ambtschößer solchen Kauff ratificiren unnd ihm das Guth in Lehen reichen müssen, derbenebenst auch vonn I. Churf. Durchl. er als ein Exulant
4 Jahr Befreyung der Geld- unnd Getreydichtzinsen, sowohln 60 Stämme Bauholz unnd 4 Brethbäume zum bauen aus Gnaden ohne Entgeld erhalten hatt.
Er sei keiner anderen Ursach halber als der wahren Evangelischen Religion wegen entwichen, hette sonsten, wenn er bey dem freyen Exercitio Religionis gelassen werden können, gerne bleiben unnd seiner gnädigen Herrschafft ihre schuldigen Frohnen, Zinsen unnd anderes abgeben wollen. Alleine wie er gesehen, daß man mit der Reformation, wie unter der Herrschafft Billyn verfahren wolte, habe er in seinem Gewissen soviel befunden, daß Gottes Ehre allen vergänglichen vorzuziehen. Daher sich resolviret, lieber Hauß, Hoff und alles zu verlassen, als wider sein beßer Wissen und Gewissen einer falschen Religion zupflichten unnd vonn der erkandten Evangelischen Warheit abzutretten.
Lebe demnach zu I. Churf. Dhd. des unterthänigsten Vertrauens, dieselbe ihn als einen Glaubensgenossen nochmals wider alle Päptstliche Gewalt in gebührenden Schuz nehmen unnd unter diesem Ambte, allwo mit I. Churf. Dhd. Gngd. Concehsion er sich niedergelassen unnd angekaufft hatte, sein Leben beschliessen laßen würde, weiln er gern als ein gehorsamer Unterthan sich verhalten wolte.
Was den Lohßbrief anlanget, so habe er keinen vorzulegen, man wüst auch wohl, daß bey iziger Reformation dergleichen niemand ertheilet würde. Wolt auch niemanden mehr das jus emigranti verstattet werden, also daß die armen beträngeten Evangelischen Leute bey Nacht und Nebel ausreißen müsten, wie ein ieder könte.


4

George Ihle izo sich als ein Fremdlinger zu Muldau auffhaltend unnd nichts eigenes habend, sagte, er habe 18 Jahr zu Georgensthal in einem Häusel, so aber nicht sein gewesen, sondern der Gräfflichen Herrschafft zu Dux zugestanden, als ein Hausgenoße sich befunden, doch aber noch niemals dem Duxauer Graffen recht unterthänig worden, denn er sey von der Geburth vonn St. Catharinenbergk unter dem Graffen vonn Hirosan (?) zum Rothenhaus gehörig, unnd weiln er 14 Jahr ein Soldat gewesen und nach dem Friedensschluß nacher hause kommen, habe man ihn zu Catharinenbergk in seinem Patria zur Catholischen Religion zwingen wollen, worauff er aus- unnd nach Georgensthal gewichen, unnd weiln er keinen Lohßbrief mit dahin gebracht, habe man ihn alda ohne Pflicht sizen lassen.
Dahero weiln man ihm vorm Jahr zu Georgensthal die Gewissensfreyheit auch nicht länger hatte gönnen wollen, sey er gezwungen worden, nebenst anderen, auszuweichen unnd sich unter dieses Ambt nacher Muldau zu begeben, allwo er sich nun über Jahr und Tag als ein Haußgenoß sich befunden hat.
Er sey keiner anderen Ursach halber als der Religion wegen zu Georgensthal weggewichen.


5

Melchior Rauer izo zu Naßau, so Andreas Lohsans Guth erkaufft, berichtet, er sey der Geburth aus Georgensthal unter die Herrschaft Dux gehörig, habe alda ein Bauerguth gehabt unnd wehre noch gerne länger als ein Unterthaner alda geblieben unnd hett seiner Gräfflichen Obrigkeit die Robotten unnd Dienste verrichtet, wenn sie ihn nur weiter bey der wahren Evangelischen Religion gelassen hetten.
Allein weiln die Duxauer Herrschafft so schroff mit der Reformation fortgefahren unnd niemand sich bey der Gewissensfreiheit erhalten könne, so wehre er auch gezwungen worden, das exilium zu beuen (?) unnd sich davonn zu machen, denn als ohnagefehr 8 oder 9 Tage vor Ostern die sämbtlichen Duxauer Evangelischen Leuthe nach Fley zu ihrem Graffen bestellt worden, umb den Handschlag zu geben, daß sie Catholisch werden wolten, so sey er nicht mit dahin gegangen, sondern habe sich strax mit denen seinigen davonn gemacht, unnd sich unters Churf. Ambt alhier nach Naßau begeben, denn er lieber Hauß, Hoff unnd alles verliehre, als seine einmal erkandt wahre unnd allein seelig machende Evangelische Religion verleugnen und der Papistischen beypflichten wolte, sei auch Gott lob in seinem Christenthumb so weit unterrichtet, daß man Gott für allen Dingen ehren unnd lieben unnd also auch demselben mehr als denen Menschen gehorchen solte.
Habe demnach das Vertrauen unnd Hoffnung, man werde ihn als einen armen Exulanten, weiln er einig unnd alleine der Evangelischen Religion wegen ausgewichen, unnd sich niemals weder gut unnd freywillig noch gezwungen zu der Papistischen bekannt, in gebührenden Schuz nehmen unnd weiln er sich mit meinem des Ambtsschößers Wi
ssen unter dem Ambt zu Naßau angekaufft, ihm nunmehro als einem Unterthanen solches Guth verleyen, denn einigen Abzugk oder Lohßbrieff vonn der Duxauer Herrschaft könne er nicht bringen, weiln dergleichen keinem ertheilet, auch niemanden das Wegziehen, ob sie gleich alles verliessen, verstattet würde.
Vermeldet auch hierbey ferner, daß seines Wissens kein einiger seiner Evangelischen Unterthanen in Georgensthal die Catholische Religion freywillig unnd ungezwungen angenommen, denn ja die Leuthe 8 Tage nach Ostern durch etliche hierzu gebrauchte bewehrte Bürger vonn Dux unnd etliche des Graffen Schüzen aus denen Häusern zusammen gesuchet unnd mit Gewalt wie das Vieh nach Fley in die Kirche zur Beichte getrieben worden.
Wer krank gewesen unnd nicht gehen können, den hatten sie auff Schlitten zur Kirchen geschleppet.
Also daß sich niemand, wer nicht schon ausgewichen gewesen, erhalten können, sondern alle gleich mit dran gemust, doch sey er Rauer dazumahl schon fortt gewesen, als daß er dem Graffen niemals den Handschlagk, Catholisch zu werden, gegeben, noch bey denen Catholischen Priestern niemals communiciret.


6

Martin Göhler ( Köhler ? ) izo zu Muldau bey seinem Vetter George Göhler sich auffhaltend, berichtet, er habe zwar ein Guth zu Georgensthal gehabt, unnd sey alda bürthig, sein Vater aber sey ein gebohrener Meißner (= Sachse, pers. Anmerk.) unnd der Geburth vonn Naßau aus diesem Ambt Frauenstein gewesen, hette zwar auch gerne noch länger zu Georgensthal bleiben unnd seinem Gnädigen Graffen zu Dux als ein Unterthaner die Dienste unnd andere Schuldigkeit verrichten wollen, wenn man ihn nur ferner bey der Gewissensfreyheit gelassen hette.
Alleine ohnagefehr acht Tage vor Ostern wehren sie die Duxauer Unterthanen allesambt zu ihrem Graffen nach Fley erfordert unnd vonn demselben dahingebracht worden, daß sie Catholisch zu werden, den Handschlagk hetten geben müssen.
Denn der Richter vonn Mazdorff hette sich im Anfang des Handschlages geweigert unnd nicht flux darin willigen wollen. Darauff hatte der Graff unnd sein Hauptmann strax einen Wagen mit 2 Reuthern vonn der Fley in sein Hauß nach Mazdorff geschickt umb sein Weib unnd Kinder alda nebenst dem Vieh unnd allen Vorrath, was er hatte, abzuholen unnd nach Dux in Hafft unnd Verwahrung zu schaffen.
Also daß er der Richter an einem Stecken davonn gehen unnd sein Weib und Kinder, auch was er hatt, zurücklassen sollen. Durch welch Mittel sie ihn den Richter dahin gebracht, daß er einwilligen müßen. Worauff hernach wiederumb ein Reuther jenen zweyen Reuthern unnd dem Wagen hernachgeschicket worden, daß sie nunmehro wiederumb zurück kehren sollten. Uff diese Maaße unnd da ein solcher Ernst gebrauchet worden, wehren sie als arme Leuthe gezwungen worden, daß sie hernach gemust unnd alle den Handschlagk vonn sich gegeben, unnd wehre der Herr Graff fast zu iedwedem selbst gegangen unnd ihm die Hand hingerecket, daß er angeloben müssen. Sie hetten sich immer eines anderen unnd bessern zu I.  Gn. den Herrn Graffen versehen unnd vonn Ihm die Gnade zu erlangen verhofft, daß er sie, wie sein Herr Vater bey der Evangelischen Religion lassen würde, denn sie sonsten nicht alle nach Fley zu ihm gegangen sein würden. Allein als sie nach Fley kommen, wehre alle Gnade aus gewesen unnd hette kein Flehen noch Bitten geholfen, sondern willigen müßen, denn es wehren Catholische Leuthe schon zur Hand bestelt gewesen, daß, welcher Evangelischer dem Herrn Graffen nicht den Handschlagk geben würde, dieselben sein Vieh unnd alles was er hatte, strax aus seinem Guth oder Hause wegholen unnd nach Dux schaffen sollen.
Wie nun also der Handschlagk verrichtet, so hetten sie in 14 Tagen also 8 Tage nach Ostern auch beichten unnd communiciren müßen, denn der Hauptmann unnd sein Reitknecht wie auch der Burggraff vonn Oberleutmanßdorff hetten ein 10 Tage langk zu Georgensthal gelegen unnd stets hin und wieder geritten, daß niemand ausreißen noch entrinnen können, unnd als nun der zur Beichte bestimbte Tagk nehmblich Sonntagk nach Ostern herbey kommen, hatte der Haubtmann sie die Georgenthaler Mannespersonen alle ingesambt ins Gericht erfordert, unnd da er sie zusammengebracht, hatt er sie, wie das Vieh, in die Kirche zur Beichte getrieben, unnd er der Haubtmann wehre selbdritt forn angeritten, sie die Unterthanen hetten hinter ihn her folgen müssen, unnd hernach wehren fünff Duxauer Bürger mit brennenden Lunten und Mußqueten hinten drein gegangen.
Sie hatten auch dem Hauptmann ins Angesicht gesaget, es solte kein Zwangk heißen, warumb man dann also procetirt unnd sie mit bewehrten Leuthen zur Kirche treibe. Dieses wehre ja seiner Zusage nicht gemeß, die er ihnen vorm Jahr gethan hatt, denn er ja in beysein des Herrn Floßmeisters sich so hoch verpflichtet unnd verschworen hatte, daß keiner gezwungen werden sollte, unnd lieffe ja auch wider des Buchhalters zu Praga sein Schreiben.
Allein es hatt alles nichts geholfen, sondern der Hauptmann zur Antwortt gegeben, die Zusage könte ihnen nicht gehalten werden. Es wehre anderer Befehlich da, also daß sie hetten beichten unnd communiciren müßen, denn sie die Georgenthaler hetten Sonntags frühe nach Ostern, die Willerßdorfer, Langenwiesener unnd Fleyer aber Sonnabend vorhero beichten müssen.
Wie nun sie das Mannesvolck gebeichtet unnd communiciret gehabt, so hatt in 8 Tagen darauff auch das Weibervolck beichten unnd communiciren müssen, unnd wehre eben der Procehs wie mit ihnen denen Männern gehalten worden, daß der Hauptmann vorhergeritten, hintennach 5 Mußquetiere folgen unnd das Weibesvolck in der mittn gehen, unnd also in solcher Ordnung zur Kirchen zu wandern müssen.
Es wehre bey ihnen ein viel größer Flehen und Lamentiren als beyn Männern gewesen, allein es hatt nichts geholffen, sondern alles mit fort gemust, daß auch der schwachen unnd kranken Personen nicht verschonet worden, sondern wer nicht gehen können, uff Schlitten zur Kirche zur Beichte geschleppet worden.
Nun müßte er Göhler zwar gestehen, daß er unnd sein Weib auch also mit darbey gewesen unnd sich zur Catholischen Beichte mit solcher gebrauchter Gewalt hatten bringen lassen, allein was sie hierauff vor einen Scrupel in ihren Herzen unnd Gewissen befunden, wehre Gott im Himmel bekandt, daß sie gar nicht zu gut werden können, biß sie sich 4 Wochen nach Ostern, da die Musquetiere unnd Duxauer Ambtsleute und Schüzen wieder weg gewesen, unnd nicht mehr so scharff Wache gehalten, davonn gemacht, ihr Hauß unnd Hoff in Stich gelassen, sich herüber in das Churf. Territorium gewendet unnd anfangs ein 8 Tage zu Kämmerswalde unter den vonn Schönbergk zum Porschenstein gehörig, hernach aber weiter nach Muldau zu seinem Schwager George Göhlern begeben, in Meinung etwa künfftig alda ein neu Häußel vor sich uffzubauen, weiln dergleichen wüste Häusel Baustädtel alda sehr viel wehren.
Weiln nun solcher massen er nicht etwa der Dienste wegen entlauffen, sondern der Religion halber ausgewichen, bäthe er, man wolle ihn doch untern Ambt dulden unnd als einen Exulanten in gebührenden Schuz nehmen, denn einen Abzugk oder Lohßbrieff zu schaffen, wehre ihm unmöglich.


7

Michael Hebelt oder Hegewaldt izo ein verpflichteter hiesiger Ambts Unterthaner unnd Bauer zu Naßau berichtet, er habe ein Bauer Guth zu Georgensthal zwar gehabt, sey auch alda gebürthig; Allein der Religion wegen unnd nicht etweder Dienste oder anderer Ursachen halber sey er zu Georgensthal entwichen. Er sey zwar nebenst seinem Weibe einmal bey denen Catholischen Priestern zur Beicht gegangen, allein sie wehren dazu mit Gewalt gezwungen worden unnd hatten es thun müssen, weiln ein solch procetere mit ihnen vorgenommen worden, daß keiner fest wegkommen können, denn als vorm Jahr ihr Hauptmann die Leuthe zur Catholischen Religion zwingen wollen, unnd ihm 16 vonn Georgensthal ausgewichen, wehre er auch mit weggeflüchtet unnd sich herrüber in das Churf. Territorium nach Kämmerswalde unter den vonn Schönbergk zum Porschenstein gehörig, begeben, unnd zwar hatten sie ihre Sachen, was sie fortbringen können, des Nachts nur über die Grenze über Hasens (?) Brücke uff Kämmerswaldener Grund und Boden geführet unnd früh morgens hernacher uff Wagen geladen und nach Kämmerswalde geschaffet, da denn der Duxauer Haubtmann, wie sie in auffladen begriffen gewesen, dazu kommen und begehret, daß sie zu ihm nüber uffs Böhmische kommen möchten. Als sie aber solches nicht thun wollen, sey er zu ihnen herüber uffs Kämmerswaldener also Churfürstl. Gebieth kommen unnd der Churfürstl. Floßmeister H. Georg Rauer derbey gewesen, habe ihnen Duxter Wortt gegeben und sie gar sehr gebethen, sie solten doch nicht ausweichen, sondern wieder zurück und ein ieder in sein Haus wohnen. Sie solten bey der Religion gelassen werden, wie bißhero, habe auch sich derbey dermassen vermessen unnd verschworen, daß es höher fast nicht sein könte, daß keinem nichts gethan werden, sondern ein ieder seines Thuns (ab) wartten, unnd wie bishero also auch ferner die Gewissensfreiheit genießen solte. Es hat auch der Haubtmann den H. Floßmeister vermocht, daß er ihnen zuraden müssen.
Allein sie hatten doch darauff nicht trauen wollen, bis er hernach eine Abschrift der Versicherung des Herrn Buchhalters zu Praaga als Regentans der Herrschaft Dux te tato Praaga dem 17. May anno 1667, die er der Haubtmann mit seinen eigenen Händen ......... uff iedes Dorff und also auch ihm Hegewalden als Richter zu Georgenthal zugeschicket, auch sie die Georgensthaler dazu noch einen Schein unter des Hauptmanns Hand und Siegel te tato Dux dem 28. April anno 1667 bekommen unnd sonsten der Haubtmann vielmals zu sie geschickt; da hatten sie getrauet unnd wehre ein ieder wiederumb biß auff etliche wenige, so herüber geblieben, in sein Haus gezogen. Allein wie gefährlich sie betrogen unnd daß kein Wortt, so der Haubtmann im beysein des Herrn Floßmeisters ihnen versprochen, gehalten, auch des Buchhalters als Regentans Versicherung im geringsten nicht observiret worden; Solches wehre leider, Gott erbarme es, am Tage.
Denn, weiln die 2 Capuciner zu Fley in ihren Predigten dem vergangenen Winter unnd Frühling durch, so eyfferig gewesen unnd die Zuhörer, daß sie beichten und communiciren solten, so ofters anvermahnet, wehren sie die Dorffschafften zusammen gegangen, hatten ihnen an I. Gn. den Herrn Graffen eine Supplication machen lassen unnd darinnen gebethen, daß er ihnen doch die Gnade thun unnd wie sein Herr Vater sie bey der Evangelischen Religion lassen wolte, dagegen wehren sie als Unterthanen erböthig, ihre Dienste unnd Abgaben, was sie schuldig, richtig abzustatten unnd zu verrichten.
Sie die fünff Richter, als er vonn Georgensthal unnd die vonn Willerßdorff, Langenwiese, Mazdorff unnd Fley wehren damit nach Dux gegangen unnd hatten solche Supplication I. Gn. dem Herrn Graffen selbsten eingereichet, die er auch gelesen, aber sie biß späth in den Abendt, als man wohl eine Stunde schon Licht gebrannt, auffgehalten, da er sie in sein Zimmer zu sich kommen lassen unnd ihnen zugesezet, sie solten angeloben, daß sie Catholisch werden wolten, denn es wehre Kayserlicher Befehlich da; Ob sie sich wohl dessen geweigert unnd nochmals gebethen, man möchte doch mit ihnen nicht so schroff verfahren, so habe er doch zur Antwortt geben, er ließe keinen Richter aus dem Zimmer, bis sie Catholisch zu werden, angelobet hatten, unnd solten sie gleich Jahr unnd Tag da bleiben.
Als sie aber nimmer weiter geflehet unnd gut Wortt gegeben, so habe er der Graff sie entlich losgelassen unnd versprochen, sie die Richter solten bis Pfingsten Frist haben, die anderen Unterthanen aber nur 14 Tage. Also daß sie mit solcher Antwortt nachn Hause wiedergegangen. Jedoch hatten sie Ihm zusagen müßen, daß sie entweder uff Pfingsten beichten unnd communiciren, oder was sie hatten, da lassen unnd an einem Stecken davonn gehen wolten, denn, wenn sie alles auch Weib unnd Kinder da liessen, möchte ieder hingehen, wo er wolte, unnd solten sie ja denen Unterthanen nichts sagen, daß sie solange Frist hetten.
Ehe sie aber folgendes Tages als Freytags vor Palmarum heimb kommen, wehre der Herr Graff schon zur Fley gewesen unnd hatte sie die Richter, wie auch die Unterthanen alle ingesambt vor sich dahin uff die Pfarre erfordert, unnd als sie erschienen, hatten I. Gn. der Herr Graff vorgebracht, wie ihnen denen Richtern er zwar Bedenkzeit unnd Frist bis Pfingsten gegeben, Es wehre aber anderwärttiger Kayserlicher Befehlich ankommen, daß sie Catholisch werden solten, unnd solange nicht Frist haben könten. Solten sich demnach rotunte erclähren unnd durch den Handschlag Ihm angeloben, daß sie Catholisch werden unnd auff Ostern beichten und communiciren wolten. Wer solches nicht thun wolte, dem solte all sein Vieh, Haab unnd Vermögen auch Weib unnd Kinder genommen unnd da behalten werden. Er der Mann aber möchte an einem Stecken davonn gehen, wo er hin wolte.
Entlich hatte er der Graff den Sonntagk nach Ostern zur Beicht und Communion bestimmt unnd ihnen nochmals zugesezet, daß sie diesfals den Handschlag geben solten, also daß sie hatten ein Dorff nach den anderen willigen müssen, und zwar in iedem Dorff erst der Richter, danach die Geschworenen also Schöppen unnd sodann die übrigen Einwohner. Die Fleyer hatten den Anfangk machen müssen unnd hernacher die Langenwiesener, Willersdorffer unnd Mazdorffer, also daß sie die Georgensthaler die letzten gewesen. Als es an die Mazdorffer kommen sollte, hatte selbiger Richter den Handschlag geben sich verweigern wollen, allein der Herr Graff unnd der Hauptmann hatten strax einen Wagen zur Fley mit 2 Reuthern in sein Guth nach Mazdorff abgeschickt, daß sie allda sein Weib unnd Kinder, Vieh unnd alles was er hatte holen unnd nach Dux bringen sollen unnd also wer nicht Catholisch zu werden willigen wolte, möchte derselbe an einem Stabe davonn unnd hingehen, wo er wolte.
Also daß durch diesen Ernst gedachter Richter gezwungen worden, daß er auch den Handschlag hatte geben müssen, unnd darauff ein anderer Reuther jenen nachgeschicket worden, wiederumb zurück zu kommen, unnd also auff solche maasse wehren sie alle dazu gebracht worden unnd wehre der Graff fast immer selbsten zu denen Leuthen gegangen unnd ihnen die Hand hingerecket. Sie hatten nicht vermeinet, daß man es also würde mit ihnen flux vornehmen, denn sonsten mancher daheimb blieben wehre. Wie denn der Hauptmann es schon bestellet gehabt, daß wer sonsten vonn denen gemeinen Unterthanen nicht den Handschlagk geben wollen, alsbald desselben Vieh unnd alles, was er hatte, weggeholet unnd nach Dux geschaffet werden sollen.
Hierauff nun als dieses also vorgegangen, hatten Sonntags nach Ostern sie die Georgenthaler Männer beichten unnd communiciren müssen.
Es hatte der Hauptmann, welcher nebenst seinem Reitknechte unnd anfangs dem Burggraffen vonn Oberleutmansdorff unnd hernach mit dem Oberleutmansdorffer Kornschreiber vorhero, sieder ( = seit, pers.Anmerk. ) der Handschlagk geschehen, fast continuirlich bei ihnen gelegen, solchenTages früh sie ins Gericht zusammen kommen lassen, und als er sie beysammen gehabt, wehre er forneher selbdritt geritten, sie die Georgenthaler hatten folgen müssen und 5 Duxauer Bürger mit Mußqueten und brennenden Lunten wehren hinten drein gegangen, unnd also in solchem Proceß nach Fley zur Kirchen zugewandert. Sie hatten den Haubtmann offtmals seiner Zusage erinnert, warumb man denn so mit ihnen procetirt, ob denn dieses kein Zwangk wehre. Allein der Haubtmann hatte ihnen zur Antwort gegeben, die Zusage könte ihnen nicht gehalten werden. Es stünde in ihrer Macht nicht, sondern es wehre ein anderer Befehlich da, unnd also hetten sie thun müssen wie sie gewolt.
In 8 Tagen darauf hette das Volck auch beichten und communiciren müssen und wehre eben ein solches Procetere mit ihnen vorgenommen worden, unnd obwohl unter ihnen ein sehr groß Flehen und Lamentiren gewesen, so hette doch alles nichts geholfen, wehre auch kein Kranker verschonet blieben, sondern wer nicht hatte gehen können, hette auff einem Schlitten zur Kirchen geschleppet werden müssen, wie denn er Hegewald selbst sein Weib also zur Kirchen auff einem Schlitten hatt bringen müssen. Also wehre Gott im Himmel bewust, wie ihnen hierauff zu muthe gewesen, also daß hernach in 14 Tagen drauff sie ihr Gewissen zu stillen, das emigrare ergriffen, unnd herraußen sich unter das Ambt Frauenstein nacher Nassau gewendet unnd alda ein Guth angekaufft, auch für einen Ambts-Unterthanen an = unnd in Pflicht genommen worden. Sie wehren gerne eher ausgewichen unnd daß sie sich nicht hatten zur Beicht zwingen lassen dürffen, alleine es wehre nicht möglich gewesen, daß sie wegkommen unnd etwas mit fortbringen können, weiln sie der Hauptmann, welcher selbst dritt bey ihnen gelegen, so strak bewachet hatte unnd fast Tagk unnd Nacht hin und wieder geritten.
Bäthe dahero, man doch ihn als nunmehro einen hiesigen Ambts Unterthanen schüzen unnd bey I. Churf. Dhd. seiner in dem unterthänigsten Bericht in besten gedenken wollen, denn er mit Gott im Himmel bezeugen könte, daß er der Religion unnd nicht der Dienste oder anderer Ursachen wegen entwichen, weiln sie, als die auff der äusersten Grenze gewohnet, wegen Handels unnd Wandels aus Böhmen in Meißen ( = Sachsen, pers. Anmerk.) gute Nahrung gehabt.
So wolte er auch hiermit die Abschrift, so der Duxauer Haubtmann selbst eigenhändig geschrieben, vonn des Buchhalters zu Praga als Duxauer Regentans Versicherung, wie auch des Haubtmanns unter seiner Hand und Siegel der Georgenthaler Gemeinde zugeschickten Schein, so er in original vorhero angezogen, übergeben, unnd gebethen haben, solche dem unterthänigsten Berichte mit beyzufügen, denn eben auff diese Schreiben hatte er unnd seine Nachtbaren vorm Jahre, wie sie ausgewichen gewesen, getrauet unnd wehren wieder in ihre Häuser eingezogen, hatten es aber nunmehro leider Gott erbarme es mit Schaden erfahren, daß ihnen gar nichts, was zugesagt, gehalten worden.


8

Tobias Rauer izo sich zu Nassau auffhaltend, berichtet eben dergleichen, wie vorhergehender Michael Hegewald, denn er zu Georgensthal ein klein Güthel gehabt unnd auch alda bürthig. Hatt zwar er einmal wie Hegewald bey denen Catholischen Pfaffen gebeichtet, allein er wehre dazu gezwungen worden, denn sie vorhero nicht wegkommen können, weiln der Haubtmann selb dritt über 10 Tage im Dorff gelegen unnd hin unnd her geritten, ingleichen die Mußquetiere ab und zu gegangen, daß niemand wegkommen, noch ausreißen können.
Wolte demnach hoffen, man werde ihn unter dem Ambte dulden unnd in gebührenden Schuz nehmen, denn er hette sonst gerne zu Georgensthal bleiben wollen, wenn er bey dem Exercitio Religionis gelaßen worden wehre.
Berichtet sonst, sein Weib hette noch niemals gebeichtet, weiln sie so krank gewesen, der Hauptmann hatt zwar diesem Sonntag, wie das Weibes-Volck communiciren müssen, 3 mahl den Kornschreiber zu ihm geschickt, er solte sie nauff führen zur Beichte unnd gleich lebendig oder todt bringen. Er hatte aber solch nicht führen wollen, sondern zur Antwortt gegeben, da hatten sie solche, sie möchten mit ihr machen was sie wolten unnd damit hatte sie sich erhalten.


Continuatio Protocolli
dem 26. May anno 1668

9

Christina Schiffelin Wittib, izo sich zu Rechenbergk aufhaltend, berichtet, sie sey der Geburth vonn Pfaffenroda aus Meissen ( = Sachsen, pers. Anmerk.), izo unter dem Herrn Bergkhauptmann zu Freybergk gehörig, habe aber vor ohnagefehr 21 Jahren uff die Fleyh in Böhmen sich verheyrathet. Ihr Mann Namens Samuel Schiffel hatt alda ein Bauerguth gehabt unnd sie miteinander 12 Jahre im Ehestande darauff gewohnet. Es hatte aber vor 9 Jahren das Wetter des Nachts umb ein uhr in ihr Guth eingeschlagen, daß Hauß unnd Hoff davonn abgebrandt, Ihnen alles leider im Feuer verdorben, auch ihr Mann dermassen beschädigt und verbrannt worden, daß er des dritten Tages daran sterben müssen und sie nunmehro 9 Jahr langk eine Witwe gewesen und gar elend und kümmerlich ihre 5 Kinder erzogen.
Sie wehre 8 ½ Jahre ohngefehr seiden ihres Mannes Todts zur Fleyh zu hause gewesen, den verwichenen Winter aber habe sie sich zu Mazdorff, sonst in gemain der Keyl genannt, auffgehalten. Da nun 8 Tage vor Ostern die Evangelischen Duxauer Unterthanen uff der Pfarre zur Fleyh Ihrem Herrn Graffen den Handschlag haben geben müssen, daß sie Catholisch werden unnd communiciren wolten, hatte sie sich Donnerstags in der Osterwoche mit ihren Kindern davon gemacht unnd auff Rechenbergk unter hiesiges Ambt Frauenstein, umb daß, weiln das Ewige dem Zeitlichen vorzuziehen, sie nicht ihre wahre Evangelische Religion verleugnen unnd der Catholischen beipflichten mögen, begeben, denn dieses wehre die einige Ursache, daß sie der Religion halber ausgewichen, zudem vonn ihr als einer armen abgebrandten Frauen garniemals keine Dienste wehren begehret worden, sondern sie ganz frey hatten sizen lassen.


10

Martin Öhlschlegel sich izo zu Holzhaus auffhaltend, berichtet, er sey der Geburth ein Meißner ( Meißen = Sachsen, pers. Anmerkung ) vonn Lößniz bey Freibergk, sey seines Alters 76 Jahre denn anno 1592 gebohren unnd im 9. Jahr seines Alters in Böhmen kommen unnd weiln der damalige evangelische Pfarrer zu Nicolsbergk sein Vatter gewesen, hatte er ihn alda das Schneiderhandwergk erlernen lassen. Da er nun 20 Jahr alt worden, habe er nach Grünwalde, unter die Herrschaft Bilin gehörig, gefreyet unnd sei sein Weib, so damals 18 Jahr gewesen, auch noch am Leben, haben miteinander ein 3. Jahr alda gewohnet. Hernach aber da das Dörfel Willersdorf, allwo vormals lauter Wald gewesen, unnd das Holz der Rath zu Freibergk zur Flöße abgetrieben, neu angeleget worden, sey er vonn Grünwald weggezogen, habe sich daher uff Willersdorf begeben und solch Dörfel anbauen helffen, auch stets nacheinander alda gewohnet, dann er seiner Gnädigen Obrigkeit 160 Böhmische Schock vor Grund und Boden, so er angenommen, bezahlt, habe auch vermeinet, er unnd sein altes Weib, als die nunmehro miteinander etliche fünfzig Jahr im Ehestande gelebet, ihr hohes Alter alda beschließen wolten, allein wie man sie des wahren Wortts Gottes hatte berauben, unnd sie gleich anderen evangelischen Leuthen, daß sie die wahre evangelische Religion verleugnen und die Catholische annehmen sollen, zwingen wollen, hatt er unnd sein altes verlobtes Weib lieber Hauß, Hof und alles verlassen, als ihre Seelen in Gefahr sagen wollen, unnd sich danach zeitlich davon gemachet und herüber nach Holzhaus unter dieses Ambt Frauenstein gewendet. Also daß er und sein Weib noch niemals bey denen Catholischen Priestern communiciret. Er hatt auch nicht, wie andere, seinem gnädigen Graffen den Handschlagk gegeben, denn nachdem 8 Tage vor Ostern der Herr Graff uff der Pfarr zur Fley gewesen unnd solchen Handschlagk vonn denen Unterthanen genommen, sey er nicht zu hause, sondern im Lande gewesen, indem er sich in acht genommen unnd ihnen gar nicht wegen der Religion getrauet, denn er etliche mal schon, wann sie reformiret, dabey gewesen sey unnd zur Catholischen Religion gezwungen werden wollen, wie er dann vor 24 Jahren 26 ganze Wochen deswegen gefangen gesessen, woher aber doch entlich wieder durch Gottes Hülff loskommen, daß er niemals die Catholische Religion angenommen. Als aber nun vor Ostern, wie der Herr Graff vonn der Fley wieder weg unnd nach Dux gewesen, er Oelschlegel wieder heim kommen, habe der Willersdorfer Richter auff befehlich des Haubtmanns ihm angedeutet, daß er strax zu dem Haubtmann kommen unnd demselben auch den Handschlagk geben solte. Er hatt aber solches nicht gethan, sondern vorher mit seinem Weibe dann Oster heilig Abend ausgewichen, sich anfangs nach Hermbsdorf herüber gewendet, unnd dann anderen Feyertag sich nach Holzhaus gewendet, allwo er sich auch noch auffhält der Hoffnung lebend, man ihn unnd sein Weib als beides etliche Siebenzig ? jährige Leuthe in solchem ihrem exilio, unnd da sie umb Gottes Ehr willen alles verlassen, unterm Ambt dulden werde.


11

Andreas Rauer izo ein Ambts Unterthaner unnd Häusler zum Rechenbergk, so auff Churf. gndst. Befehlich hat für einen Ambts-Unterthanen an- und in Pflicht genommen werden müssen, berichtet, er habe zu Georgensthal gewohnet und bey seinem Sohn zu hause gesessen.
Wie sie aber so grosse Verfolgung wegen der Religion gehabt, sey er unnd sein Weib am Osterheilig Abendt weggewichen, unnd gleichsamb beyde an einem Stabe davonngegangen unnd herrüber nach Rechenbergk unter dieses Ambt kommen, allwo er Christoph Kahls Häusel pro 32 fl erkaufft.
Als ich ihm aber den Kauff nicht ratificiren, noch das Häusel verleihen wollen, so habe er an I. Churf. Dhd. unterthänigst Suppliciret unnd als ein armer Exulant so viel erhalten, daß unterm 8. April an mich den Ambtschößer gndst. Befehlich ergangen, daß ich ihn für einen Unterthanen hatt annehmen müssen, wie denn nunmehro auch der Kauff ratificiret wehre, unnd er als ein Ambts-Unterthaner die Pflicht bereits abgelegt hatt.
Wollte demnachero hoffen, man ihn in Schuz nehmen würde, denn er keiner anderen Ursach, als der Religion wegen ausgewichen, indem er als ein etlich sechstzig jähriger Mann nicht gern ein Mameluk werden, seine wahre Evangelische Religion, darauff er getaufft, verleugnen, unnd dadurch seine Seeligkeit verscherzen wollen.
Habe auch weder dem Graffen noch dem Hauptmann niemals einigen Handschlagk gegeben, daß er Catholisch werden wolte.


12

Michael Rauer als des vorhergemelten Andreas Rauers Sohn, sich izo zum Rechenbergk in seines Vatern erkaufften Häußel uffhaltend, berichtet, er habe zu Georgensthal gewohnet, unnd keiner anderen Ursache als der Religion wegen sich alda wegbegeben, sey heuit 3 Wochen gewesen, da er ausgewichen. Müste zwar gestehen, daß er und sein Weib ieder einmal beym Catholischen Priestern zur Fley communiciret, er habe aber solches nicht gut- oder freywillig gethan, sondern sey dazu gezwungen worden, denn der Duxauer Haubtmann nach Ostern die sämbtlichen Georgensthaler Männer, wie das Vieh, mit Gewalt durch bewehrte Mußquetirer zur Kirche nach Fley getrieben, unnd gleich wie diesem Sonntagk mit dem Mannesvolcke es vorgenommen worden, also hatten sie folgendes Sonntags als 14 Tage nach Ostern mit dem Weibesvolcke procetiret, unnd dieselben gleichfals mit Mußquetirern zur Kirche nach Fley getrieben, unnd wehre beyde mahl der Haubtmann selbdritt vorran geritten, und hinter denen Weibern die Mußquetirer, so Duxauer Bürger gewesen, mit Mußqueten unnd brennenden Lunten drein gegangen.
Es sey auch der Hauptmann selbst eine gute Zeit zu Georgensthal gelegen, auch der Oberleutmansdorffer Burggraff unnd selbiger Kornschreiber ab- unnd zugeritten, unnd Tag und Nacht Auffsicht gehabt, daß gar niemand entrinnen können, biß sie alles Mannes unnd Weibesvolck communiciret gehabt, da sie solcher Gäste auch wieder los worden. Den Handschlagk habe er gar nicht, wie andere, dem Graafen gegeben, indem er gleich zu ....... in der Hoffscheune gewesen und getroschen.
( was wird zu Ostern getroschen ? , pers. Anmerkung )
Weiln nun er unnd sein Weib, da sie bey denen Catholischen communiciret gehabt, sich in ihrem Gewissen sehr beängstiget befunden unnd fast keine Ruhe haben können, Also hatten sie sich davonn gemachet, und gedächten bey der Evangelischen Religion zu leben unnd zu sterben.
Es berichtet auch Rauer ferner, daß, wie er hette beichten sollen, er für Angst unnd Bestürzung nichts gesaget, auch nicht gebeichtet, auch als der Pfaff etliche mahl angehalten, er solte seine Beichte hersagen, habe er sich entschuldigt, es wehre ihm nicht möglich, könne es auch für Gott nicht verantwortten. Darauff hatte der Pfaff vonn einem beschriebenen Brieffl etliche Wortte lateinisch, dervonn der Rauer aber nichts verstanden, ihm vorgesaget unnd hernach absolviret, es wehre auch die Absolution lateinisch gesprochen worden, also daß er gar nichts verstanden hatt.
Weiln nun dieses ein gezwungen Wergk gewesen unnd ihm herzlich leydt wehre, also lebete er der Hoffnung, man werde solches ihm nicht mißutiren (?), sondern als einen armen Exulanten in gebührenden Schuz nehmen, unnd unter dem Ambt dulden.


13

Erhardt Neuber, so noch unverehelichet, unnd ohngefehr 24 oder 25 Jahr alt, sagte, er habe mit dem Vater zu Mazdorff hauß gehalten, auch ob er wohl vorm Jahr 8 Tage vor Ostern gestorben, sey er doch noch immer in solchem Guthe geblieben, hette auch noch gerne länger bleiben wollen, wenn ihnen das Exercitium Religionis weiter wie bishero frey gelassen worden wehre. Nachdem man aber mit der Reformation so grosse Gewalt gebrauchet, sey er am Grünen Donnerstag mit seinem Bruder unnd Schwester, ehe sie zur Fley communiciret, ausgewichen, unnd haben sich nach Holzhaus gewendet, allwo sie sich auch noch befinden thäten.
Zwar gestehen müßte, daß er gleich anderen am 9.Tage vor Ostern zur Fley in der Pfarre gewesen, unnd I. Gn. dem Herrn Graffen vonn Dux den Handschlagk gegeben, daß er communiciren wolle. Alleine er wehre dazu gezwungen worden, denn er hatte anfangs sich gegen I. Gn. entschuldiget, unnd lieber des väterlichen Guths unnd alles sich verzeihen wollen. ( „sich verzeihen” im Sinne von „verzichten” ?, mhd. verzihen, pers. Anmerk. ) Es hette auch der Herr Graaff darauff angefangen, weil er nicht Catholisch zu werden angeloben wolte, so solte ihm alles, waß in dem väterlichen Guth am Vieh und allen vorhanden, weggenommen werden, hatte auch strax des Hauptmanns Reitknecht nebenst zweyen Schüzzen vonn Fley nach Mazdorff in sein väterlich Guth abgeschicket, umb alles alda weg unnd nach Fley zu holen, welches er Neuber gar wohl geschehen lassen, auch etliche mahl umb Gottes willen gebethen, I. Gn. wolten ihn doch nicht zur Catholischen Beicht unnd Communion zwingen, sondern ihm doch nur ein halb oder virtel Jahr Frist geben. Er begehre auch weder zu wancken noch zu weichen, sondern wolte, wie bishero, inmittelst in ihre Kirche mitgehen, unnd dasjenige, was ein anderer an Diensten thäte, verrichten helffen. Darauff der Hauptmann angefangen, es würde izo nicht vonn Güthern geredet, er wolle schon einen andern Wirth zum Guth bekommen, sondern es würde des Glaubens wegen geredet. Darauff hatten I. Gn. der Herr Graaff angefangen, mit seinem Kirchengehen, wenn er nicht beichtete und communicirte, wehre ihm nichts gedienet, die Hunde giengen auch also in die Kirche, wie seine Unterthanen ein Jahr lang drin gegangen wehren, hetten auch, da die anderen, so den Handschlagk gegeben, naus gelassen worden, ihn nicht naus gelassen, sondern wehren er der H. Graaff unnd der Hauptmann, wie auch die zwey Pfaffen oder Capuciner umb ihn unnd ihren Richter vonn Mazdorff - welcher auch nicht willigen wollen, unnd deswegen der Herr Graaff einen Wagen mit 2 Reuthern abgeschicket, sein Weib, Kinder, Vieh unnd alles was er hatte, weg zu holen - bey der Thüre, da sie naus gewollt, umb beyde herrumb getretten, auch der Graaff einen Brieff herausgezogen unnd vorgegeben, es wehre Kayßerl. Majt. Befehlich da, daß, wer nicht gutwillig Catholisch werden wolte, man dazu zwingen solte, denn es hette vor langer Zeit, da sein Herr Vater noch gelebet, geschehen sollen, daher könte keiner weiter Frist erlangen, unnd also auff diese maasse, weiln sie nicht loß gelassen werden wollen, sondern sich schroffen gefangknis dazu über all dasjenige, so weggenommen werden sollen, befahren müssen, wehren sie gezwungen worden, daß er unnd der Richter auch den Handschlagk hatte geben müssen, doch aber habe er Neuber kein Wortt bey dem Handschlagk gesaget, sondern die blosse Hand hingerecket, worauff sie hernacher timittiret, unnd auch diejenigen, so ihre Sachen hetten holen sollen, wieder zurück beordert worden. Alleine, wie er Neuber nach hause gewesen, so wehre ein 3 Tage unnd Nächte langk gar schroffe Wache uff ihn, weiln sie sich besorget, er möchte ausreißen, bestellt worden. Also gar, daß der Fleyer Schulmeister gar offters am Tage unnd des Nachts umb sein Guth herumb auch durch den Hoff gegangen, auch Unterschiedene zu Roß ab- unnd zu bey ihm geritten, unnd was er mache zu- gesehen. Er hattte aber sich, daß er durchgehen wolte, im geringsten nichts mercken lassen, sonder als ein bestendiger Wirth das seine vleißig wahrgenommen, biß er sie damit sicher gemacht, daß sie ferner ihn weiter nicht bewachet, noch acht auff ihn gehalten, unnd alß er für solchen scharffen Wächtern Friede bekommen, habe er sich mit obgemeltem seinem beyden Geschwister am Grünen Donnerstag, ehe sie noch zur Communion gezwungen worden, davonn gemachet, unnd sich herüber nach Holzhaus unter dieses Ambt Frauenstein begeben, alda sie auch gerne länger bleiben, unnd sich ehrlich unnd redlich verhalten wolten, der zuversichtlichen Hoffnung lebend, man sie als arme Exulanten unterm Ambte dulden, unnd in gebührenden Ambtsschuz nehmen würde. Sintemal ja ie ( = je, = immer, z. B.: seit eh und je, pers. Anmerk.) unnd allezeit die armen beträngeten Evangelischen Leuthe, so wegen der Religion aus Böhmen vertrieben worden, in diesem Hochlöbl. Churfürstenthumb Hülff unnd Schuz gehabt hatten.
Es berichtet auch Neuber ferner, wie er aus der Pfarre zur Fley weggewesen, so haben ihn die Leuthe berichtet, es hette der Graaff gesagt, wenn er nicht willigen würde, so wolte er ihn mit nach Praga nehmen, unnd ins tieffste Loch werffen lassen.
Es wehre auch in ein 3 Tagen nach dem Handschlag der eine Pfaff zu ihm ins väterliche Guth nach Mazdorff kommen, unnd hatte derselbe, wie er zur Thüre nein gegangen, gar freundlich gethan und gelächelt, anfangende, er müste seiner lachen, daß er sich so gewehret hett. Alleine er hette ihm entlich gefolget, unnd also hoffe er, er würde ihm noch folgen, und demjenigen nachkommen, was er I. Gn. dem Herrn Graaffen angelobet. Hatte Ihm auch gar viel fürgesaget, er solte ihm nur sagen, was er bey ihrer Religion vor einen Scrupel oder Bedencken hette darbey gar viel lächerlich Sachen vorgebracht, die zu erzehlen zu langk werden wolte.


14

Abrahamb Behr ist nicht erschienen, unnd wird vonn vorhergemelten alten Erhardt Neubern berichtet, daß derselbe zu Ober-Voigtsdorff unter Hr. Christian Melchiorn vonn Hartizsch angekaufft hatt.


Actum Frauenstein
dem 25. unnd 26. May anno 1668

Martinus Schülert




Weitere Beiträge zur Geschichte der Pfarre Fleyh:
http://familienforschung-kallinovsky.heim.at/